Meine Erfahrungen und Umsätze im 1. Jahr Microstock Fotografie

So, nachdem der Blog ja langsam Fahrt aufnimmt, habe ich es nun endlich geschafft, mich an meinen Erfahrungsbericht für mein erstes Microstock Jahr zu machen.

Zuerst möchte ich über die Erfahrungen schreiben, die ich in diesem ersten Jahr mit den Bildagenturen und der Microstock Fotografie gesammelt habe. Zum Schluss gebe ich Euch Einblick in die Umsatzzahlen meines ersten Jahres.

Ich begann also im April 2009 Bilder an Microstock Agenturen zu liefern. Mein Bruder – ein ebenso begeisterter Freizeitfotograf – hat mich damals aufmerksam gemacht, daß er mit seinen Bildern Geld im Internet verdient. Nun, ich dachte mir dann natürlich, daß ich das auch kann und meldete mich neben dem Finanzamt auch noch bei folgenden Agenturen an:

Bis dahin hatte ich ausschließlich – das aber sehr leidenschaftlich -  für das Familienalbum fotografiert. Ich hatte also absolut keine Erfahrung in der Stock- bzw. Microstock Fotografie!

Eines der besagten Blumenbilder, dieses wurde aber akzeptiert

Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, als ich damals – für mich außergewöhnlich gute -  Blumenbilder, genauer gesagt waren es verschiedenste Dahlien, einreichte.

Ich war davon überzeugt, daß dies absolute Top-Seller – Bilder die sich hundertfach verkaufen – werden. Naja, es darf ja auch mal geträumt werden, oder?

Viele davon wurden abgelehnt und bis heute wurde von diesen “tollen” Bildern, z.B. bei Fotolia, nur 3 Stück verkauft. Heute würde ich davon kein einziges mehr hochladen.  Gerade Blumenbilder sind in sehr großen Mengen und in sehr guter Qualität bei den Bildagenturen vorhanden. Insofern kann man sich die Mühe sparen, außer man kann wirklich mit sehr guten Bildern überzeugen.

Ich hätte mir vorher die Fülle an Blumenbildern ansehen sollen, vielleicht hätte ich mir dann den ein oder anderen Frust erspart :)

Allerdings sind Blumen eine sehr große Versuchung für jeden Stock Fotografie Anfänger, da Sie

  1. nicht weglaufen können
  2. sich nicht bewegen (man kann also hunderte von Bilder machen)
  3. keine Modelfreigabe benötigen

Durch die Microstock Agenturen wurde mir sehr schnell beigebracht, daß meine bisherigen “alten” Motive eher gering verkaufsfähig waren (Stichwort Blumenbilder). Das äußerte sich anfangs an recht hohen Ablehnungsquoten. Neben der beschränkt kommerziellen Verwertbarkeit, war gerade das Thema Schärfe einer der meisten Ablehnungsgründe.

Ablehnungsgrund Schärfe

Ich dachte eigentlich auch, daß meine Bilder scharf sind. Ich wurde da von den Agenturen eines besseren belehrt. Ich betrachte seitdem meine Bilder in 100% Auflösung, um die Schärfe beurteilen zu können. Nur so ist das wirklich möglich.

Nun, ich bin ja lernfähig und nach einer gewissen Anpassungsphase gab es eigentlich kaum noch Ablehnungen wegen mangelnder  Schärfe.

Generell gibt es durchaus größere Unterschiede, was die Ablehnungen betrifft. Dreamstime z.B. ist sehr empfindlich, wenn man zuviele Bilder einer Session hochlädt. Selbst wenn sich die Bilder durchaus stärker unterscheiden, kommt hier schnell eine Ablehnung mit dem  lapidaren Hinweis: “Zu viele ähnliche Motive”.

Das wird von den anderen Agenturen pragmatischer gehandhabt. Nur wenn wirklich mehrere Versionen vom gleichen oder sehr ähnliche Bildausschnitt hochgeladen werden, muss man mit einer Ablehnung rechnen.

Ablehnungsgrund Chromatische Aberration

Zuerst eine kurze Erklärung, was das denn überhaupt ist. Ich kann mir vorstellen, daß nicht jeder von Euch weiß, was “Chromatische Aberration” eigentlich heißt. Ich wußte das anfangs auch nicht.

Bei der Chromatischen Abberation “CA” handelt es sich um einen Abbildungsfehler von Objektiven, bzw. genauer gesagt von den Objektivlinsen. Er entsteht dadurch, dass Licht unterschiedlicher Wellenlänge oder Farbe verschieden stark gebrochen wird.

Dadurch entstehen, vorwiegend an starken Kontrastkanten, rot/cyan bzw. blau/gelbe Farbsäume. Die wohl kritischte Bildagentur in diesem Zusammenhang ist Istockphoto. Hier mußte und muss ich immer mal wieder Bilder nachbearbeiten, weil CA’s hier auftreten. Wohlgemerkt keines dieser Bilder wurde von den anderen Agenturen abgelehnt.

Die Erfahrung wuchs langsam

Mit der Zeit bekam ich ein besseres Gesprür, was verkaufbar ist und was nicht. Ich konzentrierte mich langsam darauf Fotos zu produzieren, auf denen vorwiegend Menschen abgebildet sind. Hier ist zwar der Aufwand wesentlich höher, da man die Models in der Regel bezahlen muss und Modelfreigaben benötigt, allerdings sind die Verkaufschancen auch entsprechend höher.

Mittlerweile mache ich gezielte Fotoshootings fast ausschließlich mit Models und genauem Shooting Plan.

Die Verschlagwortung wurde besser

Das Thema Verschlagwortung war für mich anfangs ein leidliches Thema. Ich dachte: “gute Bilder brauchen kaum Schlagworte”. Nun, auch da wurde ich eines besseren belehrt, denn ohne eine gute Verschlagwortung sinken die Chancen auf einen Bildeverkauf extrem. Das oben gezeigte Dahlienbild, welches eines meiner ersten Uploads war, hat nur 11 Schlagworte.

Heute verschlagworte ich meine Bilder so, daß mind. 50 Schlagworte pro Bild verwende. Das dauert natürlich erheblich länger, aber wenn man sich schon die Mühe macht ein Bild zu fotografieren, es dann noch nachzubearbeiten und es verkaufen möchte, gehört auch eine ordentliche Verschlagwortung dazu.

Aus dem Ministudio wurde ein professionelles Heimstudio

So sieht mein Fotostudio aus

Schon bevor ich mit der Stockfotografie begonnen habe, hatte ich mir bereits ein kleines Heimstudio mit 2 Blitzen und 2 Softboxen eingerichtet, das aber viel zu unregelmäßig benutzt wurde. Mit Beginn meines Microstock Engagements, rüstete ich aber kontinuierlich mein Studio auf.

Mittlerweile habe nun 4 Blitze (Elinchrom) mit 600-400 Ws Lichtleistung, sowie dazugehörigen Softboxen, Beauty Dish, Stative, zwei Fernauslöser und einen Belichtungsmesser zur Verfügung. Meine neueste Anschaffung ist eine Octabox von Elinchrom mit 175 cm Durchmesser. Die macht ein sehr weiches und tolles Licht. Einen ausführlichen Bericht zu meinem Studio werde ich Euch zu einem späteren Zeitpunkt schreiben.

Grundriss meines professionellen Heimstudios

Noch eine kleine Werbung in eigener Sache. Wer in der Nähe von Rosenheim oder München wohnt, der kann mein Studio sehr günstig anmieten. Hier gibts Informationen zur Studiomiete im Umkreis von Rosenheim.

Wissen durch Bücher

Neben der Erfahrung holte ich mir weiteres Wissen durch verschiedene Bücher. Gerade ein Buch hat mir in der Microstock Fotografie weitergeholfen. Es wurde von Robert Kneschke, einem professionellen Stockfotografen, geschrieben und heißt:

Stockfotografie – Edition ProfiFoto: Geld verdienen mit eigenen Fotos

In der bald erscheinenden Kategorie “Rezensionen”, werde ich dieses und andere Bücher vorstellen, welche ich gelesenen habe und  empfehlen kann.

So entwickelte ich mich in diesem ersten Jahr enorm weiter, was sich auch an den steigenden Verkäufen bemerkbar machte.

Umsatzzahlen u. Meilensteine des ersten Jahres in der Microstock Fotografie

Nun also der -  hoffentlich für Euch spannende und informative -  Schluss, mit meinen Meilensteinen und Umsätzen bei den einzelnen Bildagenturen.

  • Fotolia: Bronze Stufe (100-1000 Downloads), Gesamtranking 3.360
  • Istockphoto: Bronze Canister Level (250 – 2.499 Downloads)
  • Shutterstock: Stufe 2, d.h. ich erhalte pro regulärer Download nun 0,33 US-$ Cent anstatt 0,25 US-$ Cent. Diese Stufe erreicht man, wenn der Gesamterlös zwischen 500-3.000 US-$ liegt.

Mein Bildbestand nach einem Jahr Microstock:

  • Fotolia: 964 Bilder
  • Shutterstock: 911 Bilder
  • Istockphoto: 292 Bilder
  • Dreamstime: 904 Bilder

Meine Umsätze im 1. Microstock Jahr:

  • Fotolia: 883 Euro
  • Shutterstock: 998 Euro
  • Istockphoto: 523 Euro
  • Dreamstime: 263 Euro
Mein Umsatz mit den Microstock Agenturen im 1. Jahr

Mein Umsatz mit den Microstock Agenturen im 1. Jahr

Wer nun seine eigene Microstock Karriere starten will, der kann sich über folgende Links gleich bei den Agenturen anmelden: Fotolia, Shutterstock, Istockphoto, Dreamstime .

Gerne könnt Ihr Eure Zahlen hier mit mir teilen. Wäre interessant, wie es Euch aktuell bzw. im 1. Jahr Microstock ergangen ist.

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7 Antworten auf Meine Erfahrungen und Umsätze im 1. Jahr Microstock Fotografie

  1. Hermann sagt:

    Sag mal, und von nicht mal 3000 EUR bezahlst Du die Einrichtung für Dein Studio, die Models und die Ausrüstung? Und Du versteuerst Deine Einnahmen? Im Leben nicht. Von “Geldverdienen” kann keine Rede sein, wenn Du ehrlich bist. Nicht in diesem Jahr und auch nicht in den nächsten Jahren. Das ist reines Hobby und mit den Verkäufen federst Du ein bisschen die horrenden Unkosten ab, die Du da produzierst.

    • Roger Jegg sagt:

      Hallo Hermann,

      Danke für das Feedback. Wie gesagt, ich betreibe die Stock Fotografie nicht um allein davon leben zu müssen! Hierfür habe ich meinen Vollzeitjob.

      Die Fotografie ist ein Hobby, das ich allerdings als Nebengeschäft betreibe. Selbstverständlich versteuere ich auch meine Einnahmen aus der Fotografie. Was Du nicht weißt ist die Tatsache, daß ich neben der Stockfotografie noch weitere Einnahmequellen (Auftragsfotografie, Studiovermietung) aus der Fotografie habe.

      Insofern achte ich schon darauf, daß ich natürlich einen kleinen Profit erwirtschafte.

  2. Vielen Dank erst einmal für diesen offenen und interessanten Artikel. Sehr spannend vor allem der Passus zur technischen Kritik der Agenturen an Fotos.

    Was ich letztendlich bei den Zahlen lese, Du bekommst im günstigen Schnitt € 1,15 pro Bild. Das ist natürlich … nicht wirklich rentabel oder? Spätestens dann nicht, wenn man die entstandenen Technik- und Personalkosten (alleine Zeitaufwand Verschlagwortung) dagegen rechnet. Wäre interessant zu wissen, hast Du die Fotos doppelt bei unterschiedlichen Agenturen veröffentlicht oder exklusiv?

    • Roger Jegg sagt:

      Hallo Claudia,

      nun, offensichtlich ist es nicht deutlich von mir geschrieben worden.

      1. Ich betreibe die Stockfotografie nicht hauptberuflich, d.h. ich verdiene damit nicht meinen Lebensunterhalt. Für mich ist es ein Hobby, das ich aber intensiv und mit Leidenschaft betreibe. Neben den Einnahmen aus der Stockfotografie generiert mein kleines Nebengeschäft auch noch Einnahmen durch Auftragsarbeiten und der Studiovermietung.

      2. Ich arbeite mit keiner Agentur exklusiv, d.h. ich habe alle Bilder an alle diese 4 Agenturen übermittelt. Durch die unterschiedlichen Schwerpunkte der Agenturen bei der Bildauswahl, unterscheiden sich die Portfoliogrößen bei den Agenturen.

      • Danke für die Antwort 2, das macht das Ergebnis schon runder. Zu 1: ich hatte das schon als Nebenbeschäftigung verstanden. Ich sage mal, die Zahlen lassen kaum einen anderen Schluss zu. ;-)

        Aber darum ging es mir gar nicht. Selbst wenn es für Dich ein Nebenjob ist, auch da muss sich der Aufwand irgendwann rechnen. Und Umsatz alleine sagt nicht viel, der Gewinn ist ja das Spannende – auch bei einem Hobby mit Nebenbeschäftigung.

        Letztendlich beweisen Deine Zahlen (es ist ja ein Einzelfall und nicht wirklich vergleichbar, klar), würde man Stockphotographie hauptberuflich machen wollen, müsste man als einzelner dermaßen in Produktion und Publikation einsteigen, dass man nicht mehr zum Schlafen kommt – bis sich das Business für einen einzelnen (!) rechnet. Insofern noch mal: danke!

  3. Markus sagt:

    Lass dich nur nicht entmutigen! Deine Zahlen sind nicht schlecht für das erste Jahr nebenberuflich. Wichtig ist dass es Spaß macht und wenn du drann bleibst werden sich die Umsätze auch ganz sicher steigern. Das erste Jahr ist das schwerste und ich kenne sehr viele Leute die im ersten Jahr bei Shutterstock die 500$ Hürde nicht geschaft haben!

    • Roger Jegg sagt:

      Hallo Markus,

      Danke für Dein Feedback und die Aufmunterung. Da Du ja, so steht es zumindest auf Dreamstime, schon seit 2007 Stockfotografie machst, ist dieses Feedback natürlich für mich sehr hilfreich.

      Ich hab natürlich gleich mal auf Deine Homepage schauen müssen und gesehen, daß Du seit Juni die Fotografie hauptberuflich machst. ich finde es wirklich toll, daß Du diesen Schritt gegangen bist.

      Habe auch Deinen Topseller bei Fotolia geshen. Respekt. So ein Bild fehlt noch in meinem Portfolio. Da Du ja nicht allzuweit von mir entfernt bist, wäre es schön, wenn wir im Kontakt bleiben.

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